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Neue Qualitätsstandards

Omega

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Magnetismus hat Einfluss auf die Ganggenauigkeit mechanischer Uhren. Die Uhrenmarke Omega hat mit dem eidgenössischen Institut für Metrologie (Messwesen) - METAS - ein Zertifikat für antimagnetische Uhrwerke entwickelt, das sogar der ganzen Schweizer Uhrenindustrie zugutekommen soll. Dabei soll der neue Qualitätsstandard die Präzision mechanischer Uhrwerke in Bezug auf magnetische Einflüsse nachweisen. Der Uhrenliebhaber soll eine Garantie erhalten, dass weder das Smartphone, noch ein Tablet oder eines Tages die "Smartwatch" die Genauigkeit und Präzision seiner Uhr verändert. Mit dieser Äußerung riskierte der Hersteller eine direkte Anspielung auf Smartwatches, die zunehmend als eine durchaus ernst zu nehmende Konkurrenz angesehen werden.

Apple Smartwatches als Konkurrenz

Haben die Hersteller von Luxusuhren wirklich Angst vor Smartwatches? Apple beabsichtigt in den kommenden Monaten eine Smartwatch herauszubringen. Diese Nachricht von der neuen "Apple-Uhr" hat offenbar schon die ganze Branche in rege Aufruhr versetzt. Dennoch ist der Präsident von Omega, Stephen Urquhart, gelassen: Nach seiner Meinung würde die Einführung von Smartwatches durch Apple das generelle Interesse an Uhren weiter verstärken, auch wenn die eine oder andere Marke hierunter "leiden" könnte. Man lebe schließlich ja auch in einer sich auf rasante Weise verändernden Welt. So seine Auffassung. Allerdings schließt er aus, dass eine Smartwatch von Apple am linken Arm die Omega am rechten Arm magnetisieren könnte. "Dies bräuchten weder die Hersteller von Luxusuhren, noch künftige Kunden zu fürchten".

Bisherige Kontrolle durch die COSC

War es nicht bisher so, dass schon seit 1979 die drei Hersteller Rolex, Omega und Breitling der gemeinnützigen Schweizer Prüfstelle, der offiziellen Chronometerkontrolle der Schweiz (COSC), die Prüfung ihrer Uhren anvertrauten? Bewarben diese Hersteller nicht ihre ganz besonders exakt laufenden Uhren mit der Bezeichnung "Chronometer"? Ließen sie sich etwa nicht erfolgreich verkaufen und zahlten nicht alle Kunden gut für die sogar amtlich zertifizierte Genauigkeit? Problematisch war anscheinend die Tatsache, dass es in diesen Tests weder um Präzision, noch um Magnetismus und auch nicht um Wasserdichtigkeit ging. Vom COSC wurden nur die Uhrwerke, aber nicht jeweils die ganze Uhr getestet. Offenbar hatte dies auch über lange Zeiträume niemanden gestört, war es doch bisher auf dem Markt vollkommen ausreichend.

METAS Zertifizierung

So berücksichtigt die neue Zertifizierung durch METAS insgesamt vier Faktoren, nämlich die Genauigkeit von Uhrwerk und Gehäuse zusammen mit den Bestimmungsgrößen Magnetfeld, Ganggenauigkeit, Gangreserve und Wasserdichtheit. Damit die Prüfung durchgeführt werden kann, will METAS mit eigenen Instrumenten und Spezialisten in der Omega-Produktion in Biel ein eigenes Labor aufbauen. METAS würde folglich nicht nur die Omega-Uhren, sondern den ganzen Herstellungsprozess mit überprüfen.

Gefahren durch Magnetismus

Von welchen großen Gefahren geht Omega eigentlich aus? War es in den 30er Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts noch die Herausforderung, eine wirklich wasserdichte Armbanduhr herzustellen, so tobt mittlerweile in der Welt der Schweizer Luxusuhren ein merkwürdig anmutender, aber sehr harter Wettstreit um das Bestehen von Qualitätsstandards.

So entwickelt sich in der heutigen Zeit der Magnetismus zu einem immer größer werdenden Problem für mechanische Uhren. Die Liste ist wirklich lang. Smartphones, Induktionskochfelder, Airbags oder die Sicherheitsscanner am Flughafen: Die gesamte Elektronik der Gegenwart bereitet dem ganzen Uhrmacherhandwerk sowie den Herstellern von Luxusuhren Probleme. Jeder Gegenstand, der mit Strom betrieben wird, erzeugt ein Magnetfeld, durch das tatsächlich mechanische Uhren beeinflusst werden. Sind es doch Küchenmixer, Kühlschränke, die bereits schon erwähnten Metalldetektoren am Flughafen oder sogar besonders starke Magnetfelder von Magnetresonanztomografen, sogenannten MRTs, in Krankenhäusern.

Kommt eine mechanische Uhr mit dem Einflussbereich von Magneten in Berührung, bleibt sie, wenn es schlimm kommt, sogar stehen. Im einen günstigen Fall wird sie von einem Smartphone oder einem Laptop nur leicht magnetisiert, was zur Gangungenauigkeit führen kann.

Folglich ist Magnetismus, so Stephen Urquhart, tatsächlich das "Übel der Moderne". Kann man ihn doch weder sehen, noch riechen und erst recht nicht schmecken oder gar berühren. Laut Urquhart beginnt Magnetismus heute schon mit Verschlüssen von Damenhandtaschen. Sollte er recht behalten, befänden wir uns in der Tat in der Fantasiewelt des Schurken "Magneto", der in seinen "X-Men"-Filme demonstriert, dass die gesamte Existenz sich Magnetfeldern unterwerfen muss. Urquhart Aussagen zu Folge sei sogar die Hälfte der Omega-Uhren, die in einem der wichtigsten Märkte zur Wartung gebracht würden, magnetisiert.

Omega-Reaktion auf Magnetismus

So hat die Sache sogar Geschichte: Bereits im Jahr 2008 führte die Einführung von nicht magnetischen Siliziumspiralen zu der Einsicht, dass das Potenzial vorhanden war, vollständig antimagnetische Werke zu bauen. Im Frühjahr 2013 war es dann so weit: Auf der Uhrenmesse Baselworld stellte Omega die "Seamaster Aqua-Terra 15.000 Gauss" vor, bei der sämtliche magnetisierbaren Teile vollständig ersetzt waren. Die Unruh des Werkes, das "Master Co-Axial" Kaliber, bestehend aus berylliumfreiem Titan, stellte einen bedeutenden Durchbruch dar. Unruhspirale und Hemmungssystem entstanden aus Silizium, Anker und Unruhwelle aus dem Material Nivagauss.

"Gauss" ist die Einheit der magnetischen Flussdichte. Die Zahl 15.000 wurde vom Uhrenhersteller Omega gewählt, weil dies der höchste Level sei, den er testen könne. Das Magnetfeld der Erde ist beispielsweise immerhin dreißigtausend Mal schwächer, als dieser Wert, nämlich grade einmal circa 0,5 Gauss.

Auch der größte Wettbewerber Rolex hatte tatsächlich schon 1954 die erste antimagnetische Uhr, welche überhaupt ernst zu nehmen war, eingeführt. Diese Uhr von Rolex, die es übrigens heute noch gibt, nennt sich "Milgauss". Sie widersteht Magnetfeldern von etwa bis zu 1.000 Gauss.

Hingegen sichert Omega eine absolute Ganggenauigkeit bei bis zu 15.000 Gauss zu, sonst hätte sie sicher einen anderen Namen für Ihr Modell "Aqua-Terra 15.000 Gauss" gewählt. Allerdings wird der Uhrenliebhaber diesen Wert nur erreichen, wenn er sich unter einen Computertomographen legt oder einen etwa faustgroßen Hufeisenmagneten unmittelbar an die Uhr hält.

Bekanntgabe der Testergebnisse im Internet

Omega geht sogar noch einen Schritt weiter: Omega möchte doch tatsächlich alle Testergebnisse den Käufern der Luxusuhren im Internet zugänglich machen. Stellt ein solches Verhalten doch ein Novum in der sonst doch eher verschlossenen Welt der Schweizer Luxusuhrenhersteller dar. Urquhart macht deutlich, worum es ihm dabei geht. Zwar seien gegenwärtig große Stückzahlen für den Hersteller noch nicht relevant. Dies könne sich jedoch ändern, weil in etwa drei oder vier Jahren jede mechanische Omega-Uhr mit einem Master-Co-Axial-Werk ein solches Zertifikat erhalten soll. Urquhart nennt hier eine Zahl von bis zu 500.000 Uhren jährlich.

Keine METAS-Zertifizierung für die Moonwatch Speedmaster

Dennoch macht der Omega-Chef eine entscheidende Einschränkung: Die berühmte Moonwatch mit dem Namen "Speedmaster Moonwatch" wird offenbar ausgenommen. Urquhart macht für dieses Modell keine Zugeständnisse, weil es sich einfach um eine Legende handelt. Die "Speedmaster Moonwatch" gehört zu den symbolträchtigsten Zeitmessern überhaupt. Gerade, weil sie Teil aller sechs Mondmissionen war, versteht sie sich als Ausdruck von Pionier- und Abenteuergeist. 90% aller Kunden, die exakt dieses Modell kaufen, wollen genau die Uhr, die auf dem Mond war. Noch dazu gehört die "Speedmaster" zu einem der am meisten verkauften Modelle des Herstellers, sodass Urquhart hier eine Ausnahme macht. Geplant ist, weder zum 170. Firmenjubiläum 2018, noch zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung, die "Speedmaster" mit der neuen Zertifizierung von METAS zu versehen.

Eigene Wege aller Luxusuhren-Hersteller?

Stellt sich jetzt die Frage, wie Uhrenliebhaber sich zukünftig zurechtfinden sollen, wenn jetzt jeder Hersteller von Luxusuhren beginnt, seine eigene Suppe zu kochen oder - vornehm ausgedrückt - jeder einen eigenen Weg geht.

Es gibt schon seit 1886 das von der Timelab-Stiftung vergebene "Genfer Siegel", bei dem jede Uhr mit dem Genfer Stadtwappen verziert ist. Scherten schon vor fünf Jahren die Marke "Patek Philippe" aus diesem ältesten Gütesiegel für Schweizer Uhren aus. Ebenso unterzieht Jaeger-LeCoultre die "Master Control"-Serie seit 1992 einem 1.000-Stunden-Test. 2004 haben die Marken Chopard, Parmigiani und Bovet für ihre besonderen Uhren ein Gütesiegel "Qualité Fleurier" kreiert, indem sie das Trageverhalten ihrer Luxusuhren am Arm, mit Robotern simulieren.

Dahingehend ist auch die Frage berechtigt, wie die Konkurrenz reagieren wird. Auf jeden Fall dürfte sie nicht untätig bleiben: Es wird erwartet, dass die Konkurrenten Rolex und Breitling in eigene Qualitätsstandards gedrängt werden.

Urquhart sieht jedoch seine neuen Standards als Herausforderung an. Er findet es sogar fantastisch, wenn jeder Schweizer Uhrenhersteller derartige Eigenschaften dem Kunden zusichern könne. Auch könne er der METAS nicht verbieten, weitere Zertifikate einzuführen. Der Hersteller von Luxusuhren könne durch das Internet, durch soziale Netzwerke und weltweite Boutiquen die "frohe Botschaft" verbreiten. Jeder Kunde werde von selbst feststellen, dass ihm mit dem METAS-Zertifikat etwas ganz Besonderes geboten werde, weil ihm dadurch eine lebenslange Freude belegt werde.

 
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