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Apple Watch - Gastkommentar

Uhren

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Apple Watch Edition 18-Karat Gelb Gold

Bald ist es soweit. In wenigen Wochen, am 24. April, wird die Apple Watch, neuester Heilsbringer des Technologieriesens aus Cupertino, in Deutschland erhältlich sein. Das Datum müssen wir uns aber nicht merken. Dass der große Tag nah ist, wissen wir spätestens dann, wenn die ersten Apple-Jünger vor den großen Stores unserer Großstädte kampieren, um möglichst früh das neue Gadget zu besitzen.

Und ich hatte mir eigentlich geschworen, nichts dazu zu schreiben. Allein die Bezeichnung „Watch“ brachte mich regelmäßig in Rage, verstehe ich doch unter einer „Uhr“ etwas völlig anderes. Mein schlauer Satz war bisher stets: „Nicht alles was die Uhrzeit anzeigen kann, ist auch eine Uhr.“ Allerdings bin ich in eben diesem Moment dabei, meinen Vorsatz zu brechen. Ich schreibe offensichtlich gerade über dieses „Ding“ namens Apple Watch. Ja, ich bin bereits mittendrin.


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Apple Watch Edition 18-Karat Rose Gold

Aber was soll ich dazu schreiben. Ich bin doch ein großer Fan mechanischer Uhren. Und irgendwie ist das so, als zwänge mich jemand als Apfel-Fan über Birnen zu schreiben. Naja, in diesem Fall muss die Redensart wohl genau anders rum lauten. Ich muss nun Birnen mit einem Apfel vergleichen. Geht das überhaupt? Klare Antwort: Nein. Auch wenn derzeit dutzende Artikel in den unterschiedlichsten Medien genau das versuchen. Die „pre-launch Maschinerie“ ist halt in vollem Gange.

Also müssen wir die Sache anders betrachten und die Frage stellen: Gibt es etwas, was den Liebhaber mechanischer Uhren an der Apple Watch reizen könnte? Denn, dass die Watch (ich kann immer noch nicht „Uhr“ dazu sagen) bei ihrer eigentlichen Zielgruppe erfolgreich sein wird, steht außer Frage. Und mit Zielgruppe sind wohl alle Menschen gemeint, die a) über das nötige Kleingeld verfügen und bereit sind, es auch dafür auszugeben und b) sowieso alle Menschen außer Hardcore-Fans mechanischer Uhren.


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Apple Watch 316L rostfreier Stahl

Und damit zurück zu der Frage: Was macht die Apple Watch für jemanden wie mich interessant, der bspw. kategorisch Elektronik in Uhren ablehnt und sowieso alles was „Made in China“ ist. Prima, eigentlich kann ich genau jetzt aufhören, diesen Artikel zu schreiben. Denn die Watch ist „Made in China“ und offensichtlich voll mit Elektronik. Richtig voll.

Also, was kann mich reizen?

Zunächst einmal, die Watch sieht aus wie eine Uhr. Tatsächlich. Sie besitzt sogar eine recht schöne Form. In der Uhrensprache heißt diese Form „Tonneau“. Berühmt wurde sie durch die Uhrenmodelle „Santos“ oder die „Tank“ von Cartier. Übrigens echte Klassiker aus den Jahren 1904 bzw. 1917. Und diese sind immer noch Teil der aktuellen Kollektionen von Cartier, natürlich technisch und optisch, dezent aber zeitgemäß, überarbeitet. Ja, die Watch besitzt eine wunderschöne Form. Offensichtlich bemüht sich Apple durch diese Form nicht im Uhreneinerlei der runden Gehäuse unterzugehen. Denn (recht)eckige, oder tonneau-förmige Uhren sind in der Uhrenwelt immer noch selten anzutreffen. Für die Apple Watch heißt das also, dass alleine das Gehäuse durchaus schon eine gewisse Exklusivität ausstrahlt. Neben der Tatsache, dass eckige Uhren meist besonders angenehm zu tragen sind, kann auch der Kontrast von einem eckigen Gehäuse und einem runden Zifferblatt einen besonderen Reiz auf den Uhrenfan ausüben. Zudem gelten eckige Uhren als sehr elegant sowie besonders klassisch und zeitlos. Und da elektronische Geräte und Computer ziemlich genau das Gegenteil von zeitlos sind, hat Apple bei der Form schon mal alles richtig gemacht. Ja, die kann mich reizen.

Auch die Größen der Uhren sind zeitgemäß. Mist, jetzt habe ich doch „Uhren“ gesagt. Aber gut, ich bin nicht kleinlich. Also, die Größen sind zeitgemäß. 42mm und 38mm. Beides durchaus für Männerarme kompatibel und die Auswahl der Größe ist reine Geschmackssache. Für die Damen empfiehlt sich in den meisten Fällen das 38er Modell. Aber auch hier gilt was in der klassischen Uhrenwelt schon lange gilt: Frauen tragen ganz selbstbewusst auch Männermodelle. Wie gesagt, alles Geschmackssache.


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Apple Watch Aluminium

Was noch? Die Zifferblätter! Ja, wirklich. Ok, sie leuchten deutlich und man sieht sofort, dass dies keine „echte Uhr“ ist, aber die Möglichkeit in Sekundenschnelle das Zifferblatt zu wechseln und beispielsweise aus einer „Dreizeigeruhr“ (mit Anzeige von Stunden, Minuten und Sekunden) einen Chronographen zu machen oder eine Weltzeituhr oder eine Uhr mit Mondphase oder von mir aus auch eine japanisch-artige Digitaluhr, das ist schon eine schöne Sache. Zumal ich mir in der Echtuhrenwelt alleine hierfür mindestens vier Uhren kaufen müsste.

Nur, reicht das? Nein. Aber es gibt tatsächlich noch mehr. Ja, unfassbar. Aber ich werde meine ablehnende Haltung bezüglich dieses Spielzeugs auf keinen Fall revidieren. Oder etwa doch?

Die Materialien: Zur Qualität der Materialien und deren Verarbeitung kann ich noch wenig sagen. Aber die Auswahl ist toll. Es gibt Aluminiumgehäuse, Gehäuse aus Edelstahl und sogar Gold. Die Armbänder sind aus Edelstahl, Kunststoff oder Leder. Es gibt Glattleder oder strukturiertes Leder. Und es gibt Farben. Viele Farben. Und sogar einer meiner Armbandlieblinge, das sogenannte Milanaise-Band (eine Art „geflochtenes“ Stahlband), ebenfalls ein Klassiker in der wahren Uhrenwelt, ist erhältlich.

Ein Problem habe ich allerdings mit der Wasserdichtigkeit der Watch. Die gibt es nämlich nicht. Die Uhr ist lediglich „wasserfest“, was soviel heißt, dass ihr Regen oder Spritzer beim Händewaschen nichts ausmachen, die Uhr aber einen Besuch im Schwimmbad oder auch nur in der eigenen Badewanne nicht überlebt. Das ist besonders deshalb schade, da das Gerät einen Haufen an Gesundheits-Features bietet und daher sicher ein attraktives Gerät für sportliche Aktivitäten darstellt. Ähnlich der vielen Pulsuhren, die darüber hinaus Laufleistungen, Höhenmeter u.v.m. statistisch erfassen. Hier hat Apple in meinen Augen geschlampt und ein großen Teil an Potenzial unbeachtet gelassen.


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Apple Watch Edition 18-Karat Rosé Gold mit Saphirglas

Preislich beginnen die Apple Watches bei 400 Euro, übersteigen dann irgendwann sogar die 10.000 Euro Grenze und enden tatsächlich erst bei 18.000 Euro für bestimmte Varianten in Gold. Das ist sehr teuer, zumindest wenn man bedenkt, dass man für 400 Euro auch bereits eine ordentliche mechanische Uhr kaufen kann. Diese benötigt keine Updates, keine Steckdosen und läuft auch noch in hundert Jahren. Womöglich ist man in dieser Preisklasse vor einzelnen Uhrenkomponenten aus Fernost nicht gänzlich geschützt, aber schon für ein- oder zweitausend Euro mehr erhält man tolle Qualitätsware aus der Schweiz oder Deutschland. Und für 10.000 bis 18.000 Euro? Da steht einem praktisch die ganze Uhrenwelt offen. Vielleicht nicht die ganze Uhrenwelt, aber der allergrößte Teil. Und 10.000 Euro sind, zumindest bei einer aufmerksamen Wahl der richtigen Uhr, in 5 Jahren immer noch annähernd 10.000 Euro wert. Manchmal sogar mehr. Ich bezweifle an dieser Stelle mal ganz energisch einen ähnlichen Werterhalt bei dem Apple Produkt. Elektronik geht nun mal kaputt. Immer! Und zuletzt auch irgendwie immer schneller.


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Apple Watch Edelstahl

Und was sonst noch? Nichts! Nein, wirklich nichts. Nicht für mich zumindest. Alles andere was die Watch kann und ist, kann und ist auch mein Smartphone. Und wenn ich mich dazu entschlösse, eine Apple Watch zu tragen, schleppte ich nicht nur zwei Geräte mit mir rum, die mich wahnsinnig machen und mir viel zu viel „kommunizieren“, sondern ich habe auch keinen Platz mehr für eine meiner „echten“ Uhren. Und mit einer Uhr sowohl am linken, als auch am rechten Arm rumzulaufen, das können nur Leute wie der 2010 verstorbene Retter der Schweizer Uhrenindustrie Nicolas Hayek.

Reichen nun die Reize der Watch aus um sie zu kaufen? Mir nicht, aber die eingangs geschilderten Spielereien und Auswahlmöglichkeiten können durchaus den einen oder anderen Aficionado hochwertiger mechanischer Uhren zu einem Kauf verleiten. Vielleicht nicht als erster in der Schlange kampierender Apple-Fans, aber vielleicht nach einer gewissen Zeit der Annäherung.

 
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